Meine erste Begegnung mit der Pizzica fand auf einer Reise in Süditalien (Salento) statt. Im Sommer 2008. Auf einem Festival hörte ich diese eingehenden Schläge des Tamburellos, der italienischen Rahmentrommel. Seitdem hat mich dieser Tanz nicht mehr losgelassen.
Pizzica pizzica / pizzica salentina
gehört zur Familie der tarantella und ist ein rhythmischer, improvisierter ritueller Tanz und Musik aus dem Salento (Apulien) in Süditalien, der als Tradition gelebt auf Festen & auf der Straße, vor allem paarweise getanzt wird.
Oft geschieht dies innerhalb eines Kreises (ronda) von Musikern und Zuschauenden. Es ist ein Tanz, der aus dem Moment heraus zwischen zwei Tanzenden entsteht.
Pizzica tarantata
Pizzica. Das leitet sich ab von "pizzicare", was soviel bedeutet wie stechen, beißen - "wie von der Tarantel gestochen". Damit wird auf ein ehemaliges Tanz- und Heilungsritual im Salento verwiesen.
Der Biss der Tarantel, der als Auslöser für das Leiden vieler Menschen - hauptsächlich Frauen - angesehen worden ist, wurde zum Symbol für diesen Tanz, der als Ritual in erster Linie mithilfe von Rhythmus und Musik in der Natur oder im Haus im Kreise der Familie und später auch in der Öffentlichkeit (Kirche, vgl. Galatina) abgehalten wurde. Die Betroffenen "le tarantate/ i tarantati" tanzten, schrien, weinten und wälzten sich am Boden, um sich vom "Gift der Tarantel-Spinne" zu befreien (vgl. Tarantismus). Diese Rituale dauerten oftmals mehrere Tage.
Neopizzica
kann man als moderne Pizzica verstehen. Hier fließen zeitgenössische, auch choreographisch-performative Elemente mit ein. Die Musik kann moderner "aufgepeppt" sein. Der Schwerpunkt liegt eher auf der Aufführung.